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Merian kopierte Dilichs Federzeichnung von Oschatz
Der aufmerksame Leser wird meinen, diese Ansicht von Oschatz schon einmal in unserer Beilage "Rund um den Collm"
gesehen zu haben. In der Tat, am 8. Juli 1996 veröffentlichten wir einen Beitrag mit einer Kopie der
Federzeichnung vom kurfürstlich-sächsischen Oberlandbaumeister Wilhelm Dilich, die dieser im Jahre
1628 nach der Natur zu Papier gebracht hatte.
Dilich wird erst seit etwa 100 Jahren erwähnt.
Wie ist das zu erklären?
Matthäus Merian, der Verleger und Buchhändler in Frankfurt/Main, brachte im Jahre 1650 einen Bildband heraus, der den lateinischen Titel "Topographia Superioris Saxoniae" trug. Er erschien in einer Buchreihe "Theatrum Europaeum", in der noch weitere deutsche Staaten und europäische Länder in Bild und Text vorgestellt wurden. Dieses Buch mit Kupferstichen fand weite Verbreitung, obwohl sein Preis für damalige Verhältnisse hoch war. 1690 erschien sogar eine zweite Auflage. Auf diese Weise sind die Ansichten von 87 sächsischen Städten durch Merians Buch weithin bekannt geworden; viele Bibliotheken, reiche Adlige und Bürger hatten das Werk - und andere Bildbände von Merian - erworben, und sie wurden über Jahrhunderte hinweg bewahrt und wohl gehütet. Das Papier war noch aus textilen Rohstoffen (Lumpen) hergestellt, so daß es nicht vergilbte oder brüchig wurde.
Als man im 18./19. Jahrhundert daran ging, die Heimatgeschichte zu erforschen und Stadtchroniken zu schreiben,
suchten die Autoren nach geeignetem Bildmaterial zur Illustration der geschichtlichen Fakten.
Dabei waren vorrangig alte Städteansichten gefragt, und wo fand man die - in Merians Topographie von Obersachsen
von 1650. So erschienen denn die Kupferstiche von Merian, nachgezeichnet oder später fotografiert,
als "älteste" Darstellung des jeweiligen Ortes.
Bedauerlich ist nur, daß dadurch die hervorragenden Städtebilder von Wilhelm Dilich erst in unserem Jahrhundert zur Geltung kamen und publik wurden. Dilich steht leider noch heut im Schatten von Merian. Seine Federzeichnungen wurden erstmals in Dr. Rudolf Steches Heftreihe "Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen (etwa von 1885 bis 1892) als Faksimile veröffentlicht, und erst 1907 kam ein dreibändiges Heftwerk heraus: "Wilhelm Dilichs Federzeichnungen kursächsischer und Meißnischer Ortschaften...", die Sächsische Kommission für Geschichte hatte diese historisch wertvolle Vorhaben verwirklicht. Autor: Siegfried Störzel
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